Das Walpurgis-Haus ist eine der ältesten kirchlichen Einrichtungen in Soest. Im Jahre 1165 wird das Nonnenkloster St. Walpurgis extra muros (vor den Mauern) erwähnt. Nach der Soester Fehde anno 1448 wurde es abgebrochen und innerhalb des Mauerringes neu erbaut. Die Klostergebäude wurden 1461 fertig. Ein Kirchbau begann 1485. Eingeweiht wurde diese St. Walpurgis intra muros (innerhalb der Mauer) im Jahre 1506. Die Reformation führte dazu, daß die Kirche 1570 evangelisch wurde. Die Umwandlung des Klosters in ein „freiweltliches Damenstift" erfolgte 1589.
Das Stift wurde 1812 aufgelöst und die Gebäude teilweise abgerissen. Die Kirche wandelte man 1822 in ein Kornmagazin um. Deren Einrichtungsgegenstände gingen in verschiedene Museen und in die Wiesenkirche. 1879 wurde das Kirchgebäude abgerissen.
Am 7. März 1845 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm IV. eine Kabinettsorder, daß das Stift wieder zu begründen sei. 1859 wurde ein neues Stiftsdamenhaus erbaut. Erst im Jahre 1871 zogen vier Stiftsdamen und eine Oberin ein.
1944 zerstörten Bomben teilweise die Gebäude des Stiftes, einige Damen kamen zu Tode. Die Überlebenden zogen ins Cappeler Stift nach Lippstadt. Damit endete die Geschichte dieses Damenstiftes 1945.
Heute erinnert an das Stift nur noch ein alter Türsturz im Landesbehördenhaus mit der Jahreszahl 1576 und einige Straßennamen, wie Walburger Straße, Walburgerschäfergasse und Jungferngärten.
Angeregt durch den Wittenberger Kirchentag in 1848 kam der damalige Pfarrer der Wiese-Gemeinde Julius Wiesmann auf die Idee, in Soest ein Kinderhaus für Mädchen zu errichten. Am 10.Juni 1851 wurde diese Einrichtung zunächst in einem Nebengebäude des leerstehenden ehemaligen Damenstiftes gegründet. Im Gründungsstatut heißt es: „Die Anstalt hat den Zweck, armen evangelischen Kindern weiblichen Geschlechtes, welche eine christliche Erziehung durch die Angehörigen nicht erhalten können, diese zu Theil werden zu lassen und sie für einen ihrem Stande und ihren Fähigkeiten entsprechenden Beruf auszubilden."
Aufgenommen werden sollten nach Möglichkeit nur Mädchen aus dem Soester Synodal-Bezirk. Eine Stiftsdame des neugegründeten Stiftes, Frau Elfriede von Bockum, genannt Dolffs, war zeitweilig die Leiterin des Mädchen-Hauses und unterrichtete die Kinder. Sie heiratete später Julius Wiesmann, der zum Generalsuperintendenten von Westfalen ernannt worden war.
Im Jahre 1879 wurde die Mädchen-Arbeit in einem Bau in der Oestinghauser Straße, dem heutigen Standort, fortgeführt. Geleitet wurde diese Einrichtung durch ein zehnköpfiges Kuratorium. Geborenes Mitglied war der jeweilige Wiese-Pfarrer.
Am 16.Dezember 1895 erhielt die Einrichtung durch allerhöchste Kabinettsorder die Rechte einer juristischen Person. Der Name „Walpurgis-Kinderhaus" taucht erstmals auf. Seit 1888 arbeiteten Diakonissen des Kaiserswerther Diakonissenmutterhauses in der Leitung und im Unterricht. Ab 1914 waren es Wittener Schwestern.
Am 05.Dezember 1944 zerstörten Bomben das Haus total. Menschen blieben unversehrt. Kinder und Schwestern konnten im Viebahnschen Anwesen am Heinsbergplatz (lange Jahre Walburgis-Stift, heute Adolf-Clarenbach-Haus) und im katholischen Leo-Waisenhaus untergebracht werden.
Im Jahre 1952 beschloß das Kuratorium den Wiederaufbau der Einrichtung an der Oestinghauser Straße. Einrichtungsträger wurde der Westf. Herbergsverband. Bezogen wurde der Neubau 1953.
Ab 1956 fanden Kinder mit geistigen Behinderungen Aufnahme. Bis Mitte der 70er Jahre bestand ein Kooperationsvertrag mit dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen. Wittekindshofer Diakone übernahmen die Leitung der Einrichtung. Viele Kinder kamen über den Wittekindshof ins Walpurgis-Kinderheim. Die ärztliche Betreuung der Kinder wurde durch Anstaltsärzte duchgeführt.
1963 wechselte die Trägerschaft vom Westf. Herbergsverband zum Evang. Perthes Werk e.V. Zeitweise wurden 96 behinderte Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren betreut.
Die Arbeit als Kindereinrichtung wurde konzeptionell nicht durchgehalten. Den im Kleinkindalter Aufgenommenen gewährte man ein Heimatrecht. Sie wurden erwachsen und leben heute noch im Walpurgis-Haus. In den achtziger Jahren nahm die Zahl der Schüler stetig ab. Sie nahmen in den Bördewerkstätten in Soest ihre Arbeit auf.
Die räumlichen Gegebenheiten der Gebäude haben schon Ende der siebziger Jahre zu Um- und Neubau-Planungen geführt. Doch erst 1991 wurde der Neubau begonnen. Für zwei Jahre waren BewohnerInnen und MitarbeiterInnen Gäste in der Kurklinik in Bad Sassendorf. Am 10.05.93 wurde der Neubau mit 63 Plätzen bezogen und am 14.05.93 eingeweiht.
Der Bedarf an Wohnheimplätzen in Soest und Umgebung war damit nicht gedeckt. Am 01.März 1994 bezogen 11 Bewohner als dezentrale Wohngruppe ein angemietetes Zwei-Familien-Haus in Borgeln. Heute leben dort acht BewohnerInnen in Einzelzimmern.
Im Herbst 1994 startete das ambulant betreute Wohnen in drei angemieteten Wohnungen. Heute leben sechzehn Betreute in ihren selbst gemieteten Wohnungen in Soest und Herzfeld/Hovestadt.
Im Jahre 1996 wurde die alte Heimleiterwohnung für ein Kurzzeitpflegeangebot mit sechs Plätzen umgebaut. Nach dreijähriger Erfahrung zeigte sich, daß ein Platz für die Kurzzeitpflege regional ausreichend ist. Die Kurzzeitplätze wurden in normale Wohnplätze umgewandelt.
Am 01.06.1997 nahm die Villa Wördenweber in Herzfeld als dezentrale Wohngruppe ihren Betrieb auf. Dort leben zehn BewohnerInnen.
Seit März 1998 war es möglich, Personen in einer angemieteten Wohnung im Rahmen des stationären Einzelwohnens.zu betreuen. Derzeit werden drei Pärchen so betreut.
Im September 2002 wurde ein weiteres Zweifamilienhaus in Hovestadt angemietet. Dort leben acht BewohnerInnen.

